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01.12.2010: Hubert Aiwanger spart nicht mit Watschen für die Regierungspolitik

Freie Wähler als „die bessere CSU“.

Hubert Aiwanger spart nicht mit Watschen für die Regierungspolitik.

„Wir sind in der bürgerlichen Mitte – mit Überschneidungen zu allen anderen Parteien.“ Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler im Freistaat Bayern und im Bund, platziert seine Wählergruppierung beim Gespräch mit dieser Zeitung selbstbewusst im Zentrum. Da, wo wir sind, war die CSU einmal, das soll die Botschaft sein. Heute hätten die Christsozialen „völlig“ die Orientierung verloren – und ihre treuen Wähler aus den Augen, die Bauern zum Beispiel, und die Ärzte. Die fühlten sich verschaukelt von der Politik der CSU.

Alles wäre noch trauriger, sagt Aiwanger, wären nicht die Freien Wähler zur Stelle. Seit der Landtagswahl 2008, bei der Aiwanger sie mit 10,2 Prozent der Stimmen in den Landtag führte, können sich 20 FW-Abgeordnete als die Gralshüter bürgerlicher Werte gebärden. Das hilft gegen den Schmerz aus den Tagen, als sich die Seehofer-CSU trotz eifrigen Werbens der FW lieber die FDP ins Koalitionsbett holte, wo es anfangs heftig krachte, nun aber so gesittet zugeht, dass auch Aiwanger glaubt, die Regierungskoalition werde noch zwei Jahre halten.

Mit Watschen für die Regierungspolitik des CSU-FDP-Kabinetts spart Aiwanger nicht. Die Atompolitik geißelt er, die unklare Haltung zur Gentechnik passt ihm nicht, der „Absolutismus“ der CSU stinkt ihm. Aber zweifellos wird er nach der nächsten Wahl wieder um die Gunst der Christsozialen werben. Um wessen Gunst auch sonst: Der Bayern-SPD schenkt der FW-Chef während 90 Minuten kaum Beachtung, die in Umfragen erstarkten Grünen ortet er „deutlich links von uns“. Und sie tragen schließlich Mitverantwortung für das, was er als „Käseglocken-Schutzpolitik“ für die Natur anprangert. Von wegen Nationalpark Steigerwald: „Da sammer dagegen“, poltert Aiwanger. Keine Wölfe in Bayern: Er ist für Fangen und Entfernen. Kormorane nicht schützen, sondern schießen, spricht er Fischern und Teichwirten aus der Seele.

Überhaupt der „ländliche Raum“! Dort will Aiwanger auch bei der nächsten Landtagswahl punkten, die Schwerpunkte setzt er bei den Themen Regionalität, Kommunen und Mittelstand.

Aiwanger spricht sich gegen die einseitige Förderung von Metropolregionen aus und gegen Großstrukturen in der Landwirtschaft. Die Direktsubventionen für Großagrarbetriebe könne man deckeln, bei übergroßen Biogasanlagen müsse man bremsen, damit nicht Viehhalter an den Rand der Existenz gedrängt werden. Und mit übertriebenen Hygienevorschriften habe die Politik doch nur die Großmetzger gefördert.

Weiterer Schwerpunkt der „Freien“ ist die Bildungspolitik. Sie haben sich das kostenlose letzte Kindergartenjahr auf die Fahnen geschrieben und wollen die Studiengebühren an bayerischen Universitäten abschaffen. Vor allem aber liegt Aiwanger am Herzen, dass Kinder auch künftig wohnortnah zur Schule gehen können. Deswegen zieht er jahrgangsübergreifenden Unterricht weiten Schulwegen vor.

Überschaubar ist gut, lautet die für die Mehrheit der Wähler im Flächenstaat Bayern nachvollziehbare Gleichung Aiwangers. Keine dritte Startbahn am Münchner Flughafen, kein Donauausbau. Nur beim Sport denkt Aiwanger nicht in regionalen, nicht einmal nationalen Dimensionen. „Olympia (2018) unterstützen wir“, sagt er im Brustton der Überzeugung. „Das bringt der Region (Oberbayern) einen Aufschwung und ist wichtig für den Tourismus, so dass die Leute vermehrt in Bayern Urlaub machen.“

Die Krawatte des FW-Vorsitzenden sitzt locker, seine Zunge formt erfrischend klare Aussagen. Das lässt den 39-Jährigen ebenso sympathisch auf seine Umgebung wirken wie der erdige Akzent seiner Heimat Niederbayern, der das A fast immer wie ein O klingen lässt: Aiwanger spricht regelmäßig von „Rohmenbedingungen“, der „Orbeit“ und „Fochärzten“. Die Antwort auf die abschließende Frage, ob er die Freien Wähler denn als „die bessere CSU“ verstehe, beantwortet er folglich nicht nur mit einem breiten Lächeln, sondern mit einem lang gezogenen „Joo“.

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer

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