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17.10.2009: Nürnberger Nachrichten
Freie Wähler wollen das Schulsterben stoppen
| Landesversammlung in Neumarkt setzt der Staatsregierung Modell einer «Beruflichen Mittelschule» entgegen |
| NEUMARKT - In der laufenden Kontroverse um die Schulreform haben die Freien Wähler Bayerns entschieden Position für eine wohnortnahe und flächendeckende «Weiterentwicklung» aller bestehenden Hauptschulen bezogen. Bei der Landesversammlung in Neumarkt verabschiedeten die über 470 Delegierten der Freien Wähler mit großer Mehrheit eine Resolution. Darin wehren sich die Parteifreien entschieden gegen eine weitere Aufteilung der Hauptschule, weil dadurch das Schulsterben besonders im ländlichen Raum weitergehen werde. Die Freien Wähler setzen dem ein eigenes Konzept einer «Beruflichen Mittelschule» entgegen. Dieses sieht eine individuelle Förderung der Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse unter Beibehaltung des Klasslehrerprinzips vor. Die Hauptschulen müssten sich auf die Vermittlung von «Kernkompetenzen», Schlüsselqualifikationen und «grundlegenden Werten» konzentrieren. Praxisnähe solle durch einen wöchentlichen Praxistag und die enge Zusammenarbeit mit der heimischen Wirtschaft und den Berufsschulen erreicht werden. Chance auf mittleren Abschluss Alle Schüler sollten die Chance erhalten, einen qualifizierenden (Quali) oder einen mittleren Bildungsabschluss zu erreichen. Die bildungspolitische Sprecherin der Freien-Wähler-Landtagsfraktion, Eva Gottstein, bezeichnete die verbindliche Einführung einer zehnjährigen Schulzeit als notwendigen Schritt. Der Quali nach der 9. Klasse solle beibehalten werden, wobei der Abgang von der Schule beim Vorweisen eines Lehrvertrages danach möglich sein soll. Nach der 10. Klasse solle dann nochmals eine Quali-Prüfung oder ein mittlerer Schulabschluss möglich sein. Bildungsexpertin Gottstein: «Das bedeutet nicht die Rückkehr zur alten Dorfschule, aber wir lassen die Schüler in ihren bewährten sozialen Strukturen.» Mehrere Hauptschul-Praktiker übten Kritik an der Reformalternative der eigenen Partei. Das Modell sei «realitätsfern» und mit den Hauptschullehrern unter den Freien Wählern vorher zu wenig diskutiert worden; man dürfe der «CSU nicht nachlaufen», hieß es. Diskussionsteilnehmer forderten die Einführung der Ganztagsschule in Kombination mit der Hauptschule, mehr Personal und mehr erzieherischen Einsatz sowie sechs gemeinsame Grundschuljahre. Schulstandorte würden gesichert, wenn die Haupt- und die Realschule zu einem Schultyp zusammengefasst und ein einziger mittlerer Schulabschluss eingeführt werde, hieß es. «Zweitstärkste Kraft» Der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger entwickelte die «Vision» der Freien Wähler: Ziel sei es, die schwächelnde SPD zu überholen und sich bei der nächsten Landtagswahl «langfristig als zweitstärkste Kraft in Bayern zu positionieren». Die Freien Wähler wollten nicht nur Ideengeber, sondern «Schrittmacher» der Politik in Bayern sein. Hubert Aiwanger wurde mit über 90 Prozent als Landeschef wiedergewählt. Bei der Wahl seiner vier Stellvertreter gab es durchaus Überraschungen. Armin Kroder, Landrat im Nürnberger Land, wurde bei seiner ersten Kandidatur auf Anhieb zum Vize mit dem besten Ergebnis aller Bewerber gewählt. Marion Hälsig und Michael Piazolo wurden als Vize bestätigt, der bisherige Stellvertreter Bernhard Pohl, Landtagsabgeordneter aus Kaufbeuren, fiel allerdings durch. Thomas Zöller, Bürgermeister in Mönchberg (Landkreis Miltenberg), übernahm seinen Posten. Wolf-Dietrich Nahr |

